Wo Werra sich und Fulda küssen – auf der Weser ab km 0
Vom 22. – 29.08.2026 machten sich 6 Paddler*innen auf den weiten Weg nach Nordhessen und Südniedersachsen, um die Obere Weser zu erkunden. Treff- und Ausgangspunkt war dabei die DKV-Station in der Drei-Flüsse-Stadt Hann(oversch) Münden, einem Ort mit knapp 25.000 Einwohnern, ca. 700 Fachwerkhäusern und Bauten der Weserrenaissance – und dem Grab des Doktor Eisenbarth! Ursächlich für den Reichtum der Stadt war das Privileg des Stapel- und Einlagerechts, das im Jahr 1247 verliehen und erst 1824 aufgehoben wurde.
Bevor wir den Weserstein passierten und die Weser erreichten, die durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda entsteht, mussten wir ca. 1 km und eine Schleuse auf der Fulda bewältigen, dann konnten wir den Kilometer 0 der Weser passieren. Von dort an erleichterte eine angenehme Strömung das Fortkommen. Weiterer Pluspunkt: auf der gesamten Strecke bis Hameln gibt es keine Querbauwerke!
Beeinträchtigt wurde der Paddelgenuss nur dadurch, dass die Weser auf der gesamten Paddelstrecke einen sehr niedrigen Wasserstand hatte, wodurch einige Ausstiegsstellen nicht mehr oder nur erschwert genutzt werden konnten.
Ein weiteres Phänomen, das wir beobachten „durften“, war eine optisch sehr unschöne Schaumbildung auf Abschnitten der Weser. Nach Mitteilung der zuständigen Fachbehörde handelte es sich jedoch nicht um einen Umweltverstoß, sondern um ein natürliches Phänomen: Ursache sei ein ungewöhnlich starker Eintrag von Pollen und Blütenstaub, von dem keinerlei Gefahr für Mensch und Natur ausgehen würde.
Die gesamte Strecke von Hann. Münden bis Hameln mit insgesamt 138 km bewältigten wir dann in 5 Etappen, begleitet von zahlreichen Reihern, die am Ufer zur Jagd ansitzen, von Enten, Kormoranen und Nilgänsen:
Hann. Münden – Weißehütte: 23,8 km
Weißehütte – Bad Karlshafen: 22,9 km
Bad Karlshafen – Corvey: 26,9 km
Corvey – Bodenwerder: 38,4 km
Bodenwerder – Hameln: 26,0 km
Entlang der Strecke finden sich in der während der Eiszeit geschaffenen Landschaft auch viele kulturelle Sehenswürdigkeiten:
– Die Barockstadt Bad Karlshafen mit dem historischen Wasserhafenbecken und den bereits 1730 entdeckten Solequellen sowie der 1763 erbauten Saline mit Gradierwerken.
– Die Ortschaft Wehrden mit dem gleichnamigen Schloss und dem Drosteturm, dem Lieblingsplatz der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.
– Schloss Fürstenberg, hoch über der Weser gelegen und Sitz der gleichnamigen Porzellanmanufaktur, die im Jahr 1747 gegründet wurde.
– Höxter und die nahegelegene ehemalige Benediktinerabtei Corvey mit der Westfassade aus karolingischer Zeit, die seit 2014 Weltkulturerbe ist und vor deren Mauern wir unmittelbar zelten konnten; und mit dem Grab von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter der deutschen Nationalhymne.
– Die „Münchhausenstadt“ Bodenwerder, Geburtsstadt des „Lügenbarons“ Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen.
– Das am 31.12.2021 stillgelegte Kernkraftwerk Grohnde
– Die „Rattenfängerstadt“ Hameln
Insgesamt war es eine abwechslungsreiche und interessante Ausfahrt, die Dank der engagierten Fahrtenleitung und der guten Stimmung im Team in guter Erinnerung bleiben wird.
Bericht und Fotos: bebauer












